The quarterly of the University of Helsinki |
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Was für eine Atmosphäre herrscht an der Universität Helsinki „In Finnland ist die Forschungskultur bedeutend hierarchischer und formeller als anderswo im westlichen Europa, und auch der Informationsfluss funktioniert nicht immer“. meint ein deutscher Wissenschaftler, der trotzdem beschlossen hat, auf dem Kumpula-Campus zu bleiben – und sich dort wohl zu fühlen. Pauliina Susi |
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![]() Ich bin erst seit 15 Monaten hier und gerade dabei, mich mit den Gepflogenheiten des Hauses vertraut zu machen“, erklärt Aike Beckmann, Professor für Geophysik. Das Institut für Geophysik der Universität Helsinki hat den aus Deutschland gebürtigen Forscher, dessen Spezialgebiet die Erforschung der Hydrosphäre, also der Wasserschichten, ist, mit Freude aufgenommen. Beckmann wiederum hat sich für die Universität Helsinki zum Teil auch aus dem Grunde entschieden, weil hier zu seinem Tätigkeitsbereich auch die Lehre gehört. „Die letzten zehn Jahre habe ich in einem Forschungslabor zugebracht, wo man so gut wie keinen Kontakt zu jungen Wissenschaftlern und Studenten hatte. Beim Forschen kann man tief in sein eigenes, eng begrenztes Spezialgebiet ein-dringen, aber die Studenten helfen einem dabei, sich zu vergegenwärtigen, was die Menschen im Allgemeinen über dieses Gebiet wissen und was für Kenntnisse sie benötigen. Ich mag auch das direkte Feedback, das ich von den Studenten in Vorlesungen bekomme; es erweckt auch in mir selbst neue Gedanken.“ Aike Beckmann ist bereits an mehreren Universitäten und Forschungsanstalten tätig gewesen: in Deutschland, in den USA, in Frankreich und in Belgien. Von daher ist es auch interessant, von ihm zu erfahren, wie sich die Forschungskulturen in den einzelnen Ländern unterscheiden – und besonders interessant ist es für uns natürlich zu hören, wie man als ausländischer Wissenschaftler in Finnland zurechtkommt. „Mein erster Eindruck war au§erordentlich positiv. Das Physicum auf dem Kumpula-Campus ist ein neues, gut ausgerüstetes Gebäude. So gute Bibliotheks- und Datenkommunikationsein-richtungen habe ich an den meisten meiner früheren Wirkungsstätten nicht gesehen. Für meine eigene Arbeit sind die Datenverarbeitungs-möglichkeiten unbedingt notwendig, und die Zusammenarbeit mit dem CSC, dem Finnischen IT-Zentrum für Wissenschaft, ist unentbehrlich und funktioniert gut“, lobt Beckmann. Formell und hierarchisch...Professor Beckmann konstatiert, dass die Methoden und Praktiken im Wissenschaftsbetrieb der verschiedenen Länder einander ziemlich gleich sind. Die meisten Dinge sind in Finnland so ähnlich wie an den anderen Orten, wo er tätig gewesen ist, aber es gibt auch Unterschiede. „Die Kommunikation und die Wissens-vermittlung sind in Finnland anders als in anderen Ländern. Hier äu§ert man sich nur kurz und etwas farblos, sich an die Grundfakten haltend. Manchmal habe ich das Gefühl, bei vielen Dingen drau§en vor zu bleiben. Ich glaube nicht, dass dies von mangelnden Englischkenntnissen der Finnen herrührt oder daher, dass ich selbst noch nicht so gut Finnisch kann. In Frankreich zum Beispiel war das ganz anders, obwohl ich das Französische kaum beherrschte, als ich dort arbeitete. Ich glaube, es hängt mehr von der Mentalität der Menschen ab. Ich bin jedoch optimistisch und hoffe, dass sich die Situation ändern wird, wenn ich hier nur etwas länger bin“, meint Aike Beckmann. „Ein zweiter deutlicher Unterschied findet sich in den Strukturen des wissenschaftlichen Lebens in Finnland. Sie sind formeller und hierarchischer als anderswo in Westeuropa. Hier herrscht die allgemeine Einstellung, dass den Worten und Arbeiten von Professoren aufgrund ihrer Stellung viel mehr Gewicht beigemessen wird als denen von anderen, die dieselbe Ausbildung und wissenschaftliche Kompetenz haben. Auch die Studenten stellen in den Vorlesungen nur selten Fragen; man muss sie geradezu dazu ermutigen. Ich habe bemerkt, dass ausländische Austauschstudenten in dieser Beziehung viel aktiver sind.“ Ähnliche Erfahrungen wie Aike Beckmann haben auch seine Kollegen aus der Schweiz, aus Estland, Tschechien und China gemacht. Beckmann merkt indes an, dass sich seine Erfahrungen auf das kleine Gebiet der Ozeanographie beschränken. Mutig in die Welt hinaus!Könnten die Finnen in ausländischen Universitäts-milieus etwas lernen? Zumindest Aike Beckmann ermutigt sie dazu, nach dem Abschluss ihres Studiums ins Ausland zu gehen, zumindest für ein oder zwei Jahre. Für einen jungen Wissenschaftler, für seine weitere Laufbahn und seinen ganzen Lebensstil, ist es nützlich zu sehen, wie man anderswo lebt und forscht. Beckmann selbst denkt gern an die zwei Jahre zurück, die er am Chesapeake Bay Institute in den Vereinigten Staaten verbracht hat. „Vielleicht spielte da ein Gutteil Enthusiasmus eines jungen Menschen mit, der auf einen Schlag in internationale Kreise kommt. Aber dort habe ich es auch gelernt, meine wissenschaftlichen Papiere flie§end auf Englisch zu schreiben; früher hatte ich mich damit meine liebe Not“, schmunzelt Beckmann. In der Welt der Wissenschaft wird der Mensch aufgrund seiner Forschungsresultate und Konferenzauftritte beurteilt. Aber in welche Kooperationsprojekte ein Wissenschaftler gelangt, hängt häufig auch von der Chemie zwischen den Menschen ab. Wenn man die Leute seines Fachgebiets aus aller Welt kennen lernt, laufen die Kooperationsprojekte besser. Zurzeit ist Aike Beckmann dabei, ein Projekt zu starten, bei dem finnische, französische und deutsche globale Modelle über die Faktoren, die die Klimawandel beeinflussen, miteinander verbunden werden. Auf diese Weise will man herausfinden, was an dem Wandel natürlichen Ursprungs ist und was auf die Tätigkeit des Menschen zurückgeht. „Die meisten Kollegen kenne ich schon seit vielen Jahren“, sagt Aike Beckmann.
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