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The quarterly of the University
of Helsinki |
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Wenn ein Tanker auf Grund läuft...Über die Widerstandsfähigkeit der Flora und Fauna der Ostsee gegenüber Öl weiß man erstaunlich wenig. Es geht darum, Öl abbauende Bakterien zu untersuchen, die Wirkung der Chemikalien, die zur Bekämpfung der Ölpest eingesetzt werden, zu klären, Spezies zu finden, die als Alarmgeber dienen könnten etc. Virve Pohjanpalo |
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Die Öltanker, die die Ostsee durchpflügen, machen den Ländern an der Ostseeküste vor allem im Winter bei schwierigen Eisverhältnissen Sorgen. Die neuen Ölhäfen Russlands und Tanker mit nur einer Hülle, die für schwierige Verhältnisse nicht geeignet sind, erhöhen das Risiko von Großkatastrophen und bereiten den Ostsee-Anrainern Kopfschmerzen. „Es wäre leichter, über eine Risikobegrenzung zu verhandeln, wenn wir mehr wissenschaftliche Erkenntnisse über die Folgen von Havarien hätten“, meint die Hydrobiologin Johanna Ikävalko. Ikävalko ist dabei, am Institut für Bio- und Umweltwissenschaften einen Forschungskomplex einzuleiten, bei dem die Auswirkungen von Ölkontaminationen auf die Organismen im offenen Meer, auf dem Meeresboden und an den Küsten geklärt werden sollen. Sie hat gerade ein Projekt über die Öltankerrouten in der Nordostpassage abgeschlossen, das zum Ziel hatte, die Folgen von Öllecks und Tankerunfällen für die Organismen der arktischen Meeresgebiete vorauszusagen. Ikävalko war überrascht, dass sie auch nach längerer Suche keine entsprechenden Daten über die Ostsee gefunden hat. „Zwar hat man die Bekämpfung der Ölpest einigermaßen im Griff, aber sys-tematische Forschungen über die Reaktionen der Organismen auf das Öl fehlen. Nach Tankerhavarien hat man die Zahl der Vogelkadaver gezählt und den Gehalt an Kohlenwasserstoffen im Gewebe von einigen wirbellosen Tieren und von wirtschaftlich bedeutsamen Fischen gemessen, aber alle diese Ansätze sind recht vereinzelt geblieben.“ Kein einziges Land im Ostseeraum hat sich bislang um die ganzheitliche Erforschung der Auswirkungen von Ölkatastrophen gekümmert. Chemikalien im ÖlbreiZwei junge Doktoranden beginnen im Herbst unter der Leitung von Ikävalko mit empirischen Arbeiten zu diesem Thema. Konkrete, wichtige Fragen dazu gibt es genug. Welche Organismen können als Indikatoren für akute Ölemissionen dienen? Und wie steht es mit chronischer Verschmutzung? Wie unterscheiden sich Ölkatastrophen in Küstennähe von solchen auf offener See? Welchen Einfluss haben die Witterungsbedingungen zum Zeitpunkt der Havarie auf die Wirkungen des Öls im offenen Meer und in Küstennähe? Laut Ikävalko müsste man die Behörden schleunigst auch mit Erkenntnissen über die Auswirkungen der Ölbekämpfungschemikalien, der Dispergatoren, auf verschiedene Ökosysteme beliefern. „In Russland bevorzugt man traditionell die chemische Bekämpfung der Ölpest. Im Westen, also zum Beispiel bei uns, hält man den Einsatz von Dispergatoren für problematisch und spricht sich vehement für das mechanische Entfernen, das Eindämmen und Absaugen, des Öls aus.“ „Besonders wichtig wäre es, Fakten über die Zusammenwirkung der Dispergatoren und des Öls in der Ostsee zu sammeln“, mahnt Ikävalko. Was die Ozeane anbelangt, gibt es derartige Erkenntnisse bereits reichlich. In vielen Fällen hat sich die toxische Gesamtwirkung für die Organismen als schädlicher erwiesen als die Ölkontamination allein. Fischfutter für BakterienIn den Versuchen, die Ikävalko in der Nordostpassage – genauer gesagt auf Spitzbergen – angestellt hat, hat sie untersucht, ob verschiedene im Eis lebende Bakterien eine natürliche Alternative für die Ölbekämpfungschemikalien bieten könnten. „Im Eis gibt es genug Bakterien, aber Phosphor, Stickstoff und andere Nährstoffe sind dort knapp. Indem wir Fischfutter auf das Eis streuten, konnten wir die Fähigkeit der Bakterien, organische Stoffe zu zersetzen, etwas verbessern, aber auch durch Fütterung gekräftigte Bakterien wären nicht imstande, mit größeren Mengen Öl fertig zu werden.“ In der Ostsee ist die Situation insofern anders, als hier kein Mangel an Nährstoffen besteht. Die offenen Fragen hängen hier mit den Bakterienspezies zusammen. Es wäre vonnöten zu klären, ob bestimmte im Ökosystem dieses Meeres vorkommende Bakterien imstande wären, Öl abzubauen. Zuerst würde Ikävalko ihr Augenmerk auf die Küstenzonen richten, an die ein großer Teil des Öls letztendlich gelangt. „Ein interessantes Forschungsthema bestünde darin, Öl abbauende Bakterien zu züchten und sie in verschmutztes Wasser zu geben. Diese Bakterien könnten eine wichtige Rolle im Umweltschutz spielen – vor allem in solchen Meeresgebieten, die mit den Spezialschiffen und Booten, die zur Ölbekämpfung eingesetzt werden, nicht zu erreichen sind. Einige Erkenntnisse, die Ikävalko in arktischen Meeren gewonnen hat, lassen sich indes direkt auf die Ostsee umsetzen. „Im Nordpolarmeer und in der Ostsee gilt dieselbe Regel, dass Tiere, die sich nur langsam fortbewegen können – zum Beispiel Muscheln oder Seesterne – am schlimmsten von einer Ölpest betroffen werden. Fische können leichter ausweichen.“ Die Fähigkeit zur Fortbewegung ist jedoch nicht unbedingt ein Garant für das Überleben. „Zum Beispiel Tauchervögel bemerken Ölteppiche häufig nicht und gehen in verseuchten Meeresgebieten auf Nahrungssuche.“ Meer der gestressten OrganismenIkävalkos vorläufige Beurteilungen der über die Ostsee verfügbaren Forschungsdaten dürften den Laien überraschen, der gemeinhin der Ansicht ist, dass die Natur nördlich des Polarkreises besonders empfindlich sei. An den hydrobiologischen Kriterien gemessen sind die arktischen Meere jedoch erstaunlicherweise weniger anfällig als zum Beispiel die Ostsee, die den Finnen sozusagen vor der Haustür liegt. „Als ich die Auswirkungen von Ölkontaminationen im Nordpolarmeer untersuchte, kam ich zu dem Ergebnis, dass ein Ölleck oder ein Tankerunfall in begrenzten Gebieten katastrophale Folgen hätte. Verschiedene Ökosysteme würden sich gar nicht mehr erholen, und auch in den Tier- und Pflanzengemeinschaften mit besserer Resistenz würde die Artenvielfalt abnehmen. So genannte Opportunistenspezies würden die Oberhand gewinnen.” „Die Situation in der Ostsee wäre jedoch noch viel schlimmer.“ Die Empfindlichkeit der Ostsee beruht zu einem großen Teil auf ihrer geringen Tiefe, besonders in den dänischen Sunden. Der Wasseraustausch mit dem benachbarten Weltmeer geschieht nur sehr langsam. Das geringe Volumen der Ostsee hat wiederum zur Folge, dass von einer Ölpest leicht breite Küstenstriche verseucht werden. „Die Ostsee ist ein Brackwasserbe-cken, in dem sich Süß- und Salzwasser mischen. Allein dies erzeugt für die dort lebenden Organismen einen chronischen Stress. Sowohl die ozeanischen Arten als auch die Süßwasserarten an den Küsten befinden sich sozusagen in falscher Umgebung. Die allgemeine Eutrophierung des Wassers sowie die Emissionen aus dem Schiffsbetrieb und den Ölraffine-rien verursachen zusätzliche Belastungen für die Organismen. Aus den Fischfarmen gelangen Nährstoffe in das Wasser, und die Blaualge verbreitet ihr Gift”, zählt Ikävalko auf. „Die Gas- und Ölbohrinseln belasten die arktischen Meere, aber verglichen mit der Ostsee ist das Wasser dort von nahezu unberührter Reinheit. Die internationale Seefahrtorganisation hat in ihrer Klassifizierung festgestellt, dass die Ostsee und besonders der Finnische Meerbusen sehr verletzlich sind.“ Ikävalkos Beschreibung der Lebensbedingungen für die Organismen der Ostsee klingt recht niederschlagend, aber ebenso düster stellt sich auch das Zukunftsbild dar, das sie an die Wand malt: „Dass es in der Ostsee zu einer großen Ölkatastrophe kommt, ist nur eine Frage der Zeit. Wir Forscher fragen gar nicht mehr, falls es passiert, sondern warten nur darauf, wann es passieren wird.“ Leben in Wassersäcken und AquarienDie zentrale Stelle für die Ölkontaminationsuntersuchungen, die unter der Leitung von Johanna Ikävalko durchgeführt werden, ist eine Forschungsstation der Universität, die ganz im südwestlichen Zipfel Finnlands, in Tvärminne, liegt. Für Ikävalko ist die Station, die sich an der Grenze zwischen dem inneren und dem äußeren Schärengürtel befindet, ein idealer Stützpunkt für empi-rische Untersuchungen. Im Maßstab der Ostsee gesehen ist Tvärminne ein „Durchschnittsort“, unter anderem bezüglich der Eutrophierung des Wassers, und zudem findet man dort sämtliche Zonen der Schärenküste vor. In den Kontaminationsuntersuchungen wird der Wechsel der Jahreszeiten berücksichtigt, und Beobachtungen werden sowohl über mit Öl verschmutzte als auch über ölfreie Gewässer gesammelt. Einige Versuche werden in einem Aquarium an Land durchgeführt, einige andere wiederum in Wassersäcken, die im Meer treiben. Untersucht werden dabei sowohl die auf felsigem und sandigem Grund sowie im Schlick vorkommenden Ökosysteme als auch die auf hoher See lebenden Organismen. |
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