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Das Fach Translation Deutsch gehört zum Institut für moderne Sprachen.

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Wendepunkte der Übersetzerausbildung

Nachdem in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre die Spracheninstitute in Turku, Tampere und Savonlinna gegründet worden waren, um den Bedarf des finnischen Arbeitsmarkts an praxisnah ausgebildeten Übersetzern und Dolmetschern zu decken, nahm im Jahre 1971 als viertes dieser nichtuniversitären Ausbildungsstätten das Spracheninstitut Kouvola seine Tätigkeit auf. Die Ausbildung dauerte drei Jahre und schloss mit der Berufsbezeichnung „Diplomübersetzer“ (DKK) ab. Unterrichtet wurde Übersetzen und Dolmetschen in den Sprachenpaaren Englisch-Finnisch, Russisch-Finnisch, Schwedisch-Finnisch und Deutsch-Finnisch. Der Träger des Instituts war die Stadt Kouvola.

Die Spracheninstitute wendeten zwar die hauptsächlich im Ausland entstandenen überset­zungs-wissenschaftlichen Forschungsergebnisse an, verfügten ihrerseits jedoch nicht über Ressourcen zur eigenen Forschung. Das Fehlen eines vollen akademischen Abschlusses stellte auch ein formales Hindernis für den Zugang zum höheren Dienst im öffentlichen Bereich dar. Das änderte sich im Jahre 1981, als alle vier Institute an Universitäten angegliedert wurden. Seit diesem Jahr gehörte das Institut unter dem Namen „Übersetzerausbildungsinstitut Kouvola“ zur Universität Helsinki. Das nun fünfjährige Studium, das von einer Pro-gradu-Arbeit gekrönt wurde, führte zum akademischen Abschluss eines „Kandidaten der Philosophie“ (FK).

Mit diesem neuen Studiengang tauchte ein neues Problem auf: Es gab in Kouvola keine Profes­soren. Die Stadt Kouvola sprang finanziell in die Bresche, indem sie mehrere Professorenstellen für jeweils fünf Jahre stiftete und später auch die Forschung am Institut finanziell unterstützte. Für das Übersetzen und Dolmetschen im Sprachenpaar Deutsch-Finnisch stellte sich das Problem jedoch zunächst nicht in demselben Maße, da es nur als ein Nebenfach gelehrt wurde.

Der erste physische Umzug des Übersetzerausbildungsinstituts fand im August 1992 statt, als es die modern ausgestatteten, aber ältesten Gebäude der Stadt Kouvola bezog: Die ehemaligen Garnisonsgebäude, die in den Jahren 1910–1914 vom zaristischen Russland errichtet worden waren, um die Eisenbahnlinie nach St. Petersburg vor einem möglichen Angriff des deutschen Kaiserreichs zu schützen, wurden zu einem idyllischen Campus umfunktioniert.

Schon zwei Jahre später, 1993, wurde die Existenz des Instituts in Frage gestellt, als der Hochschulrat zu der Ansicht gelangte, dass es in Finnland zu viele Übersetzerausbildungsinstitute gebe. Nicht zuletzt der sich abzeichnende EU-Beitritt Finnlands dürfte dazu beigetragen haben, dass es statt zu einer Schließung noch im selben Jahr zur Schaffung des Lehrstuhls für Sprachtheorie und Übersetzen kam, der mit Lauri Carlsson besetzt wurde. Im Jahre 1994 fand eine Studienreform statt, nach der am Übersetzerausbildungsinstitut in Kouvola der Abschluss eines Magisters sowie eines Lizentiaten oder Doktors der Philosophie möglich wurde.

Weitere Wendepunkte brachte das Jahr 1998, als das Übersetzerausbildungsinstitut  in Institut für Translationswissenschaft umbenannt und die Zusammenarbeit mit der Mutteruniversität Helsin­ki verstärkt wurde. Ein wichtiger Eckpfeiler dieser Zusammenarbeit war das neu geschaffene Mo­dul Ammattikielten ja kääntämisen opintokokonaisuus, abgekürzt AKO und ab 2001 MonAKO, das dazu diente, auch in Helsinki  Lehrveranstaltungen im Übersetzen und Dolmetschen anzubieten.

Eine für das Fach Übersetzen und Dolmetschen im Sprachenpaar Finnisch-Deutsch bedeuten­dere Veränderung war jedoch seine Ausweitung zum Hauptfach.  Damit gab es in Kouvola zum ersten Mal eine vollwertige deutsche Abteilung, deren Mitglied Irmeli Helin vom Herbstsemester 2004 bis Anfang 2009 das Institut leitete.

In den elf Jahren bis zu seiner Schließung haben viele Studierende mit dem Hauptfach Deutsch ihr Studium am Institut für Translationswissenschaft  in Kouvola erfolgreich abgeschlossen und sind heute als Übersetzer, Dolmetscher oder sonstige Experten für interkulturelle Kommunikation in der Privatwirtschaft, bei Behörden, Organisationen und an Hochschulen tätig.

Uwe Dirksen