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Uwe Münster bei der Entnahme von Wasserproben aus dem See Valkea-Kotinen.

    Finnisch-deutsche Aspekte in der Erforschung borealer Binnengewässer

    Uwe Münster

 

Ein wesentliches Struktur- und Funktionsmerkmal der Binnengewässer in der borealen Vegetationszone, d. h. in der nördlichen biogeographischen Region, charakterisiert durch Nadelwälder, ist der hohe Anteil an allochthonen Substanzen im Wasser, die aus dem Umgebungsareal eingetragen werden. Gelöste Humussubstanzen sind ein Hauptbestandteil dieser externen Einträge, und sie verleihen dem Wasser eine typisch braune Farbe, die im deutschen Sprachgebrauch auch als Moorwasser bezeichnet wird. Im Gegensatz zu Klarwasserseen, in denen das Phytoplankton an der Spitze der Nahrungskettenpyramide steht, wird diese Stelle in Humusgewässern vorrangig von Bakterien eingenommen, die sich speziell gut von den gelösten organischen Substanzen ernähren können.

Studien an der natürlichen Bakterienflora in Gewässern haben in den letzten zehn Jahren einen rapiden Aufschwung erfahren. Dieser Aufschwung beruht vor allem auf der Erkenntnis, dass Bakterien fundamentale Nährstoff- und Nahrungskettenprozesse steuern und aufrecht erhalten.

Allerdings sind gegenwärtig weltweit allenfalls nur 1-5% der natürlichen Gewässerbakterien identifiziert und charakterisiert worden. Dies bedeutet, dass Gewässerökologen ein noch sehr lückenhaftes Bild über die Struktur und Funktion von Bakteriengemeinschaften in Gewässern überhaupt haben.

Im Rahmen des finnischen Biodiversitätsprogramms (FIBRE) wird gegenwärtig von der Finnischen Akademie ein Forschungsprojekt (Bacterial Diversity in Aquatic Boreal Interfaces BioFace) an der Biologischen Station Lammi gefördert. In diesem BioFace-Projekt wird versucht, mit modernen molekular-biochemischen Methoden die natürliche Bakterienflora in drei typisch borealen Waldseen zu charakterisieren. Diese Kleingewässer zeichnen sich durch einen sehr geringen anthropogenen Einfluss aus und erlauben somit mikrobenökologische Studien an natürlichen Standorten mit signifikant verschiedenen Habitaten hinsichtlich des natürlichen Nährstoffangebots und des Eintrags an gelösten Humusstoffen.

Die BioFace-Studien werden von Dr. Uwe Münster geleitet, der 1991 im Rahmen eines europäischen Forschungsprojektes (HUMOR/HUMEX) nach Finnland kam, und damals den Effekt von Versauerungsprozessen auf Bakterienaktivitäten untersuchte. Dr. Münster hat eine limnologisch-chemische Doktorarbeit über die Struktur und Funktion organischer Substanzen in limnischen Systemen als Schüler von Prof. Waldemar Ohle und Prof. Jürgen Overbeck am Max-Planck-Institut für Limnologie in Plön absolviert. Schon als Student an der Christian- Albrechts-Universität Kiel lernte Dr. Münster in den Vorlesungen und Seminaren von Prof. Ohle und Prof. Overbeck erstmals Interessantes über die Bedeutung von organischen Substanzen in Binnengewässern, und auf Exkursionen nach Skandinavien (z.B. nach Dänemark, Schweden und Finnland) wurde sein Interesse insbesondere für die Rolle der Humussubstanzen in dystrophen Seen, z.B. borealen Braunwasserseen, geweckt. Nach der Dissertation war Dr. Münster über zehn Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max- Planck- Institut in der Abteilung Aquatische Mikrobenökologie bei Prof. Overbeck tätig, wo er seine fundamentalen Einblicke in die Bedeutung der Gewässerbakterien und ihre Interaktionen mit organischen Substraten vertiefen konnte.

Seit 1991 arbeitet Dr. Münster permanent an der Biologischen Station Lammi zusammen mit finnischen Hydrobiologen an Nahrungskettenbeziehungen und Nährstoffzyklen speziell in Waldhumusseen. Diese Studien sind in einem gewissen Sinne das Ergebnis und eine Fortführung eines schon seit frühen Jahren dieses Jahrhunderts existierenden finnisch-deutschen Interesses an Struktur- und Wirkungsprinzipien aquatischer borealer …kosysteme. Diese Bindungen entsprangen den Arbeiten und Wirken von Prof. Heikki Järnefelt, Prof. Reino Ryhänen in Finnland bzw. Prof. Waldemar Ohle in Deutschland und wurde kürzlich durch den Besuch des jetzigen Direktors am Max-Planck-Institut für Limnologie in Plön, Professor Winfried Lampert erneuert, der im September 1998 als Gast des Rektors der Universität Helsinki Vorträge am Institut für …kologie und Systematik und am Limnologischen Institut der Universität hielt und mit einem Besuch und Kurzreferaten an der Biologischen Station Lammi, der Fischforschungsanstalt im Evo und dem Institut für Umweltökologie in Lahti abschloss.